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15.09.2026

20. gemeinsamer Informationstag fokussiert sichere Energieversorgung der Zukunft

Zu ihrem 20. gemeinsamen Informationstag haben sich am gestrigen Montag etwa 50 Vertreterinnen und Vertreter von 12 Stadtwerken und Netzbetreibern im Schweriner Technologie- und Gewerbezentrum getroffen.

Ziel der Veranstaltung war der Erfahrungsaustausch zu aktuellen Fachthemen. Im Mittelpunkt stand dabei die moderne und sichere Energieversorgung. Die jüngsten Angriffe auf die Stromversorgung in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben gezeigt, wie empfindlich die kritische Infrastruktur ist.
Auch die Künstliche Intelligenz (KI) wird die Zusammenarbeit von Stadtwerken und Netzbetreibern neu definieren. „KI kann der Beschleuniger werden, den die Energiewende braucht. Sie ersetzt nicht Verantwortung – sie erweitert unsere Handlungsfähigkeit“, so WEMAG-Vorstand Thomas Murche. „Wenn wir KI, Resilienz und regionale Zusammenarbeit zusammendenken, kann Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie moderne Energieversorgung im digitalen Zeitalter funktioniert: intelligent, sicher und souverän“, so das Fazit des Technischen Vorstands.

Die Netzgesellschaft Schwerin GmbH (NGS) ist der Stromnetz- und Gasnetzbetreiber der Landeshauptstadt Schwerin und seit 2016 auch grundzuständiger Messstellenbetreiber. Vor diesem Hintergrund informierte Steve Ochmann, Betriebsingenieur Strom der NGS über den Stand des Rollouts der intelligenten Messsysteme. Seinen Ausführungen zufolge sind derzeit 80 Megawatt (MW) Leistung aus Erneuerbare-Energien-Anlagen angeschlossen, 57 MW befinden sich in Planung. Die Speicherleistung bezifferte er mit 6,9 MW. Anfragen würden für 185 MW vorliegen.

Tim Stieger, Geschäftsführer der WEMAG Netz GmbH, rechnet angesichts der weiterwachsenden Zahl von Erneuerbare-Energien-Anlagen, die maßgeblich durch Wind und Solar bestimmt wird, und einem gesteigerten Bedarf bei den Bezugskunden mit einem stark ansteigenden Investitionsvolumen in den Netzausbau. „Das Bauvolumen von rund 100 Mio. Euro in diesem Jahr wird 2028 etwa 216 Mio. Euro betragen“, prognostizierte Tim Stieger und informierte anschließend über den Ausbau des Kundenportals. Es soll unter anderem der Übermittlung der Zählerstände und Pflege der Stammdaten dienen und perspektivisch Lastgänge abbilden und über eine App bedienbar sein. Sein Ziel: Bis 2028 soll der Netzanschluss durchgängig digital abgewickelt werden. „So kommen wir vom Einzelvorgang zum aktiven Kapazitätsmanagement“, sagte Stieger.

Christian Engelke vom Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Energie und Landesentwicklung, stellte in seinem Vortrag das Pilotprojekt Resilienz-Cluster Mecklenburg-Vorpommern vor. Grundlage dafür bildet ein Beschluss der Energieministerkonferenz vom 22. Mai 2026, wonach die Schaffung sogenannter Resilienz-Cluster zu prüfen und rechtlich abzusichern ist. Den Ausgangspunkt bildet eine reale Risikolage: Extremwetter, technische Großstörungen oder gezielte Angriffe auf die Energieinfrastruktur lassen sich auch bei guter Vorsorge nicht vollständig ausschließen. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit ist die eigenständige Vorratshaltung jedes einzelnen Netzbetreibers für Großschadensfälle ineffizient. Zentral vorgehaltene Ressourcen nutzen allen nachgelagerten Betreibern gleichermaßen. Im Kern geht es darum, nach großflächigen oder länger andauernden Störungen die Stromversorgung möglichst schnell wieder herzustellen. Geplant ist der Aufbau und die Erprobung eines regionalen Clusters im Netzgebiet der WEMAG Netz GmbH, unter Einbeziehung nachgelagerter Netzbetreiber.

In seinem Referat über die Kalkulation der Netzentgelte ab der 5. Regulierungsperiode beleuchtete Mike Zurbel von der WEMAG Netz GmbH zunächst die Zielsetzung der Bundesnetzagentur im Festlegungsprozess der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) und ging anschließend auf die Entgeltkomponenten der Nutzergruppen ein.

Dem Thema „Netzwirtschaft im Umbruch: Wie sich die Finanzierung und Integration erneuerbarer Energien verändert“ widmete sich Leonie Holzhausen von der WEMAG Netz GmbH. So treffen immer mehr Anschlussbegehren auf begrenzte Netzkapazitäten. Darauf antwortet der Gesetzgeber mit einem Kabinettsentwurf für das Netzanschlusspaket 2026. Es sieht Transparenz und Digitalisierung, Zuteilung von Netzkapazität und die effiziente Nutzung von Netzkapazitäten vor. Ihre Botschaft für die Energiewende: Künftig kommt es darauf an, knappe Netzkapazität effizient zu nutzen, Erzeugung stärker am Markt auszurichten und Flexibilität wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Über den Entwurf des Netzausbauplans 2026 der WNG sprachen Philipp Kertscher von der WEMAG Netz GmbH und Dr. Frank Grüttner, Geschäftsführer der Grüttner Energie, Umwelt, Strategie GmbH. Dabei stellten sie verschiedene Szenarien vor und leiteten zum Beispiel aus der Prognose der Einwohnerzahlen im WNG-Netzgebiet bis 2045 den Stromverbrauch ab.

Nach den Referaten konnten sich die Vertreterinnen und Vertreter der Stadtwerke und Netzbetreiber an fünf Netzwerktischen nicht nur informieren, sondern auch aktiv einbringen. In kleine Gruppen aufgeteilt besuchten sie für 15 Minuten Stationen zu den Themen 450-MHz-Technologie im Netzbetrieb, Vorstellung von Dienstleistungen, Spannungsqualität im Verteilnetz, Der Weg zur datengetriebenen Organisation und Informationssicherheit mit Augenmaß.

Beim abschließenden Besuch der balticFuelCells GmbH gab Geschäftsführer Dr. Bastian Ruffmann Einblicke in die Forschungstätigkeit seines Unternehmens.

Der Geschäftsführer der WEMAG Netz GmbH Tim Stieger, Referatsleiter Christian Engelke aus dem Wirtschaftsministerium und WEMAG-Vorstand Thomas Murche setzen Impulse beim 20. Informationstag. Foto: WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer