Systemstabilitätsverordnung Teil 1 (50,2 Hz)

Am 26.Juli 2012 ist die Systemstabilitätsverordnung (SysStabV) in Kraft getreten. Die SysStabV regelt die technischen Anforderungen und Nachrüstpflichten für Photovoltaik-Anlagen, die vor dem 1.Januar 2012 in Betrieb genommen wurden.

Hintergrund

Der Grund für die gesetzlichen Regelungen ist, dass innerhalb der letzten Jahre die Einspeisung von Strom aus dezentralen Energieerzeugungsanlagen, insbesondere von Solarstromanlagen erheblich zugenommen hat. Photovoltaik-Anlagen haben damit eine große Bedeutung für die Stromversorgung und auch für die Stabilität des Stromnetzes erreicht. Ältere Photovoltaik-Anlagen schalten sich bei einer Überschreitung der Netzfrequenz von 50,2 Hertz automatisch vom Netz ab. Hierbei besteht das Risiko, dass sich im Extremfall zeitgleich mehrere Gigawatt an Einspeiseleistung gleichzeitig abschalten. Eine kritische Situation des Stromnetzes oder sogar ein europaweiter Stromausfall (Blackout) wären nicht auszuschließen. Um das hohe Maß an Versorgungssicherheit in Deutschland weiter gewährleisten zu können, wurden gemeinsam vom Bundesumweltministerium, dem Bundeswirtschaftsministerium, den Netzbetreibern und den betroffenen Verbänden Maßnahmen zur Umrüstung von Photovoltaik-Anlagen erarbeitet.

Inhalt der Verordnung

Zur Beseitigung dieser Systemgefährdung ist eine Nachrüstung von Bestandsanlagen unbedingt erforderlich. Die Wechselrichter der Photovoltaik-Anlagen sind dahingehend umzurüsten, dass ein gleichzeitiges An- und Abschalten der Anlagen vermieden wird. Die Netzbetreiber werden durch die SysStabV verpflichtet, die erforderlichen Nachrüstungen innerhalb der gesetzlichen Frist von Fachfirmen ausführen zu lassen. Die Kosten für den Nachrüstungsprozess werden je zur Hälfte über die Netzentgelte und die EEG-Umlage gewälzt.

Anwendungsbereich

Die Nachrüstung gilt für Photovoltaik-Anlagen

1. Im Niederspannungsnetz
a) > 10 kW     Inbetriebnahme: 01.09.2005 bis 31.12.2011
b) > 100 kW   Inbetriebnahme: 01.05.2001 bis 31.12.2011

2. Im Mittelspannungsnetz
    > 30 kW     Inbetriebnahme: 01.05.2001 bis 31.12.2008

Fristen für die Durchführung der Nachrüstung

Bei der Nachrüstung von Wechselrichter der betroffenen Photovoltaik-Anlagen sind folgende Fristen zu beachten:
1. >100 kW   bis 31.08.2013
2. >30 kW     bis 31.05.2014
3. >10 KW     bis 31.12.2014

Mitwirkungspflichten und Kosten

Die Anlagenbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, die für die Vorbereitung der Nachrüstung erforderlichen Informationen an den Netzbetreiber zu übermitteln. Weiterhin haben die Anlagenbetreiber die  Pflicht, die Nachrüstung der Wechselrichter zu ermög-lichen. Kommt ein Anlagenbetreiber seinen Mitwirkungspflichten nicht nach, führt dies gem. § 66 Abs.1 Nr.14 EEG automatisch zu einem Verlust seiner EEG-Einspeisevergütung.

Die Nachrüstung ist für Anlagenbetreiber von Photovoltaik-Anlagen kostenlos, es sei denn ein Anlagenbetreiber macht von seinem Wahlrecht Gebrauch, selbst eine fachkundige Person mit der Nachrüstung zu beauftragen. In diesem Fall hat er die durch die Beauftragung zusätzlich entstehenden Kosten selbst zu tragen.

Umsetzung

Zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben hat die WEMAG Netz GmbH die betroffenen Anlagenbetreiber angeschrieben, um die für den Nachrüstungsprozess erforderlichen Informationen abzufragen. Die betroffenen Anlagenbetreiber können sich unter

www.50-2-Hz.de 

am 50,2-Hz-Portal registrieren und mit Ihren persönlichen Zugangsdaten die Angaben Ihrer Anlage(n) erfassen. Mit der Nutzung dieses Portals kann die Datenerhebung in übersichtlicher und einfacher Weise vorgenommen und der jeweilige Status der Umrüstung jederzeit durch den Anlagenbetreiber  verfolgt werden. Die Nutzung des Portals ist natürlich kostenfrei. Hilfsweise kann der Abfragebogen auch per Post/Fax oder Email an die WEMAG Netz GmbH geschickt werden. Nach Erfassung der vollständigen Daten werden diese ausgewertet und die notwendigen Schritte für die Nachrüstung in die Wege geleitet. Eine beauftragte Firma setzt sich zwecks Terminvereinbarung mit den Anlagenbetreibern in Verbindung.

Weitere Informationen sind auch im Download-Bereich auf dieser Seite und auf folgenden Internetseiten zu finden:

www.solarwirtschaft.de/betreiber.html 

www.bdew.de/50-2Hz 

Systemstabilitätsverordnung Teil 2 (49,5 Hz)

Hintergrund

Mit Wirkung zum 14.März 2015 ist die Verordnung zur Änderung der Systemstabilitätsverordnung in Kraft getreten. Durch die Veränderung dieser Verordnung reagiert der Gesetzgeber auf das sogenannte "49,5-Hertz-Problem". In Deutschland würden sich etwa 21.000 Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien und aus Kraft-Wärme-Kopplung bei Überschreitung der Frequenz von 49,5 Hertz (Hz) gleichzeitig vom Stromnetz trennen. Hierbei besteht das Risiko, dass sich im Extremfall mehrere Gigawatt an Einspeiseleistung gleichzeitig abschalten. Dies kann zu einem großräumigen Ausfall des Stromnetzes führen (sog. Blackout).

Daher sind nun auch Betreiber von bestimmten Windenergie-, Biomasse-, Biogas-, Kraft-Wärme-Kopplungs- und Wasserkraftanlagen verpflichtet, ihre Anlagen mit Frequenzschutzeinstellungen nachzurüsten, um die Netzstabilität zu gewährleisten und die Systemsicherheit insbesondere im Unterfrequenzbereich zu erhalten. Die Frequenzschutzeinrichtung im Unterfrequenzbereich wird so auf einen Wert von 47,5 Hz und im Überfrequenzbereich auf einen Wert bis einschließlich 51,5 Hz eingestellt.

Anwendungsbereich

Die Nachrüstungspflicht gilt für folgende Bestandsanlagen:

  Leistung ab Inbetriebnahme
KWK 5.000 kW alle
KWK 100 kW ab 01.01.2000
Wind 450 kW alle
Feste Biomasse 100 kW alle
gasförmige und flüssige Biomasse inkl. Biomethan 100 kW ab 01.01.2000
Wasserkraft 100 kW alle

Die in der Tabelle aufgeführten Anlagen müssen nachgerüstet werden, wenn die Inbetriebnahme vor den nachfolgenden Zeitpunkten liegt: 

  • Hochspannungsnetz: vor dem 01.09.2004
  • Mittelspannungsnetz: vor dem 01.01.2009
  • Niederspannungsnetz: vor dem 01.07.2012

Pflichten der Anlagenbetreiber

Die WEMAG Netz GmbH fordert die Anlagenbetreiber der von der Nachrüstung betroffenen Anlagen schriftlich zur Nachrüstung auf. Die Anlagenbetreiber müssen die Zugangsbestätigung innerhalb von 6 Wochen ab Zugang der Nachrüstungsaufforderung an die WEMAG Netz GmbH zurücksenden. Innerhalb von 12 Monaten ab Zugang der Nachrüstungsaufforderung muss der Anlagenbetreiber der WEMAG Netz GmbH nachweisen, dass er seine Anlage entsprechend der gesetzlichen Anforderungen nachgerüstet hat. Kommt ein Anlagenbetreiber seiner Nachrüstungspflicht nicht nach, führt dies gemäß § 100 Abs.4 EEG automatisch zu einem Verlust seiner EEG-Einspeisevergütung.

Kostentragung

Die Kosten für die Nachrüstung der betroffenen Anlagen tragen die Anlagenbetreiber. Sofern die Kosten jedoch den Eigenanteil von 7,50 Euro je kW installierter Leistung übersteigen, kann der Anlagenbetreiber den überschießenden Anteil in Höhe von 75 % vom Übertragungsnetzbetreiber verlangen. Allerdings können nur solche Kosten ersetzt werden, die durch Kostenvoranschlag vor Beauftragung vom Übertragungsnetzbetreiber überprüft und nicht beanstandet und durch Rechnungsvorlage nachgewiesen worden sind oder die Beanstandung des Kostenvoranschlags durch Bundesnetzagentur als unbegründet angesehen wurde. Sollte der Anlagenbetreiber die Nachrüstung selbst durchführen, ist eine anteilige Kostenübernahme mangels vorliegender Rechnung nicht möglich.

Hinweise

Weitere Informationen finden Sie auch im Download-Bereich auf dieser Seite und auf folgenden Internetseiten:

www.bdew.de/49-5hz 

 www.vku.de/49-5hz 

 

Störungsannahme

Hotline: 0385 . 755-111

Weitere Hinweise...

Aktuelles im Blog der WEMAG Netz GmbH

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